„Fensterbild“, Konzept zu einer Installation im Hauptbahnhof München, 2010
Mit der Umstrukturierung der Deutschen Bahn vom staatlichen zu einem selbständigen Unternehmen stehen die Bahnhöfe erkennbar unter erhöhtem Druck, Gewinne zu erwirtschaften. Jede freie Wand- und Bodenfläche wird als möglicher Werbe- oder Gewerbestandort betrachtet und soweit möglich auch genutzt. Hierbei wird auf die architektonische Struktur bzw. auf die repräsentativen, räumlichen Wirkungen der Bahnhöfe immer seltener Rücksicht genommen. Der Münchner Hauptbahnhof zeichnet sich durch seine breit gelagerte offene Bahnsteighalle aus. Das Tragwerk überzeugt durch große Klarheit, Ruhe und Ökonomie (Architekt: Franz Hart, 1963). Die ungeordnete Überfrachtung der Halle mit gewerblichen Einrichtungen aller Art ist der Gesamtwirkung des Gebäudes abträglich. Das Installationsprojekt weist auf die besondere architektonische Qualität der Bahnsteighalle hin und verhilft dieser zu gesteigerter Wirkung: Die seitlichen Außenwände der Halle sind zu großem Teil durch flankierende Verwaltungsgebäude verstellt. Sie zeigen sich hier als geschlossene Wände und wirken neben den anschließenden Verglasungen blind. Das Projekt sieht vor, die Glasfassade durch großflächige Reproduktionen eines Fensterfeldes auf textilem Bildträger optisch zu ergänzen. Mit diesem Eingriff vervollständigt sich der intendierte, offene und lichtdurchflutete Charakter der Halle. Ihre horizontal gelagerte, linear gerichtete Struktur tritt mit der Differenzierung von Front und Flanke klar hervor. Horizontalität und Linearität bringen die Vorstellung von Ferne, Bewegung und Geschwindigkeit wirkungsvoll zum Ausdruck.